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Indigene Völker Alaskas und ihre kulturellen Wurzeln

Karte der indigenen Völker Alaskas von Robert Stark
(veröffentlicht 4/2001)

Der Grenzverlauf des nördlichstes Bundesstaat der USA, Alaska, ist so willkürlich wie bei den meisten Nordamerikanischen Bundesstaaten. Er spiegelt kein historisch gewachsenes Gebilde wieder, sondern ist Ausdruck der territorialen Okkupation durch Kolonialmächte. Das von den Russen für den Pelzhandel erschlossene Gebiet wurde im Jahre 1867 von den USA „gekauft“ und erstreckt sich über verschiedene Klimazonen und Kulturräume.

Vor diesem Hintergrund ist es nur allzu verständlich, dass die indigene Bevölkerung Alaskas keine Einheit bildet, sondern dem Ausschnitt aus einem Flickenteppich gleicht, wobei sich die einzelnen Flicken eigentlich weit über diesen willkürlichen Ausschnitt hinaus fortsetzen. Alaskas Ureinwohner haben Anteil an durchaus unterschiedlichen Traditionen.

Fünf hauptsächliche Kulturgruppenlink

Die Eingeborenen Alaskas lassen sich im Groben wie folgt unterscheiden:

  1. An den Küsten und dem Küstenhinterland der Beringstraße und des Nordmeers leben die Inuitgruppen der Inupiaq (Nordalaskaeskimo)
  2. Auf der St. Lawrence-Insel und kleineren Inseln der Beringsee die sibirischen Yup‘ik / Yuit (asiatische Eskimo) und im Südwesten Alaskas die Yup’ik / Cup’ik (Westalaskaeskimo)
  3. Im Inneren des Festlandes: Athabasken (Dené-Indianer), für die eine Vielfalt regionaler, kleiner Gruppen typisch ist: Deg Hit’an, Nolikachuk, Koyukon, Kushokwin, Tananina, Tanana, Gwich’in, Hän, Tanacross und Athna.
  4. In der südlichen Küstenregion und den Aleuten: die Aleuten auf der gleichnamigen Inselkette südwestlich von Alaska und die Alutiq (Chugash, Südalaskaeskimo oder Kodiakeskimo) auf der Alaska-Halbinsel zwischen den Aleuten und Festland, der Kenai-Halbinsel bis zum Copper-River sowie der vorgelagerten Kodiak-Insel.
  5. Im Südöstlichen Küstengebiet von Alaska, dass sich wie als schmaler Landstreifen entlang der Küste nach Süden zieht:

Volksgruppen, die zum Kulturkreis der Nordwestküstenindianer zu zählen sind. Die Eyak (östliche Nachbarn der Alutiq), dann die Tlinkit und schließlich Haida und Tsimshian.

Somit wird sogleich eines deutlich: Zum einen gibt es Beziehungen nach Asien, bzw. in das Gebiet der russischen Föderation. Sogenanne asiatische Eskimo, aber auch Aleuten leben auf amerikanischem und russischem Boden. Die Eskimogruppen im Norden Alaskas bilden zwar eine Art regionaler Variante, die sich durchaus von anderen Eskimogruppen in Kanada und darüber hinaus bis nach Grönland unterscheiden lässt. Andererseits bestehen zwischen den einzelnen Inuitgruppen durchaus frappierende Gemeinsamkeiten in sprachlicher und kultureller Hinsicht, so dass alle dies Gruppen einem einheitlichen Kulturraum zugezählt werden müssen.

Das Gebiet der Eyak, Tlinkit, Haida und Tsimshian wirkt bereits beim Blick auf die Karte wie angestückelt und bildet mit dem eigentlichen Festland von Alaska keine Einheit. Allein das Klima der gemäßigten, borealen Regenwälder in diesen Regionen unterscheidet sich gravierend von der arktischern Umwelt der Eskimo in den nördlichen Regionen Alaskas, und im gleichen Maße unterscheidet sich die Kultur der dort ansässigen Indianer. Weitere Völker dieses Kulturareals leben in den Küstenregionen Britisch Columbias bis in den Norden Kaliforniens. Zurecht darf man hier von Geodeterminismus sprechen.

Ohne Zweifel haben Klima und Landschaft maßgeblich zur Ausbildung der unterschiedlichen Kulturen beigetragen. Schließlich bleibt festzustellen, dass auch die athabaskischen Jägerkulturen Alaskas nur den nordwestlichen Ausläufer eines Kulturform darstellen, die sich quer über die Wälder der gesamten Subarktis des nordamerikanischen Kontinents erstreckte.

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Sonderstellung der Inuitkulturen Alaskaslink

Die Eskimokulturen Alaskas stellten innerhalb der durch viele Gemeinsamkeiten gekennzeichneten Inuitkultur lokale Varianten mit durchaus signifikanten Eigenheiten dar. Diese lokalen Varianten sind zum einen durch das Klima und die Ökologie bedingt, zum anderen durch den Einfluss der Indianer der Pazifikküste, der nach Süden hin stark zunahm. Die Inupiat der Küstenregion Nordalaskas lebten überwiegend vom Walfang, ergänzt durch die Jagd auf andere Meeressäuger. In jedem Dorf gab es Walfangmannschaften, die in offenen Fellbooten, den „Umiaks“, unter Führung eines „Umialik“ auf die häufig stürmische See hinauszogen um die riesigen Tiere zu erlegen. Ebenso wie die Jagd bedurfte auch die Heimführung und Verarbeitung der Wale gut organisierter Teamarbeit. In einer kurzen Sommersaison konnte diese Inuitgruppen reichlich Vorräte für den ganzen Winter anlegen. Die Form des Walfangs in offenen Booten hatte ihr Vorbild bei den Nordwestküstenindianern.

Dagegen bestritten die südlich davon im Landesinneren lebenden Inupiaq (Inupiaq des Kotzebuesunds oder Nunamiut und Karibueskimo) ihren Lebensunterhalt vorwiegend durch die Karibujagd. Den Sommer war durch die Jagd nach Karibus oder Moschusochsen und dem Anlegen von Fleischvorräten geprägt. Im Winter wurden an der Eismeerküste Robben gejagt, oder das wichtige, wärmespendende Robbenöl gegen Karibufelle von den Küsteninupiat eingetauscht. Häufig kam es jedoch aufgrund unzureichender Vorräte im Winter zu Hungersnöten.
Bei den Inuit-Gruppen im Westen und Süden Alaskas spielte der Walfang gleichfalls eine Rolle, zumal dort auch im Winter die Küsten eisfrei waren.

Der größere Einfluss der indianischen Küstenkulturen spiegelt sich hier auch in der Bedeutung des Lachsfangs wieder. Daneben war die Jagd auf Wollhaargemsen und das Dickhornschaf in den Küstengebirgen von Bedeutung, ebenso die Suche nach Muscheln und Schalentieren. Im Gegensatz zu den Inuit Nordalaskas, wo die Pflanzenwelt u.a. in Form von Flechten und Algen nur sehr bescheidene Beiträge zum Nahrungserwerb leistete, war in südlicherem Alaska das Sammeln von Beeren und Waldfrüchten üblich.

Große Teile der Inuit Alaskas lebten also nicht in der arktischen Tundra, sondern in gemäßigteren, waldreichen und feuchten, subarktischen Gefilden, deren Klima durch den warmen Japanstrom geprägt war. Während die Inuit im nördlichen und westlichen Alaska ihre Hütten aus Holz und Grassoden errichteten (keineswegs Iglus), waren bei den Inuit Südalaskas Plankenhäuser von den benachbarten Tlinkit-Indianern übernommen worden.

Die Kultur der Aleutenlink

steht den benachbarten Eskimo Südalaskas nahe und ist gleichfalls stark von den indianischen Kulturen der Küste beeinflusst. Hinter diesen Einflüssen wird das Substrat einer älteren Bevölkerungsschicht vermutet. Auch bei den Aleuten spielten Wal- und Fischfang eine besondere Rolle, zumal er auch hier das ganze Jahr über im offenen Wasser betrieben werden konnte.

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Die Athabasken im Landesinnerenlink

waren subarktische Wildbeuter, deren Umwelt wenig Möglichkeiten zur Entfaltung einer materiell reichen Kultur bot. Man geht davon aus, dass die Jäger und Fischer dieser Kulturen die Wälder im Landesinneren erst nach Erfindung oder Vermittlung des Schneeschuhs erschließen konnten Zuvor lebten sie an den Ufern der zahlreichen Flüsse und Seen. Manche athabaskischen Stämme Alaskas waren wie viele Eskimogruppen mehr oder weniger stark von den Indianern der Pazifikküste beeinflusst. Die der Sprache nach den Athabasken zugehörigen Eyak lebten nicht nur an der Pazifikküste, sondern werden aufgrund ihrer materiellen Kultur und gesellschaftlichen Organisation zum Kulturkreis der Nordwestküstenindianer gezählt.

Die Indianerkulturen der Pazifikküstelink

Die Kultur diese Indianerstämme unterscheidet sich gravierend von allen anderen Nordamerikas. Basis der Wirtschaft waren überall der Fischfang auf dem Meer und in den Küstenflüssen (v.a. Wal und Lachs). Die außergewöhnlich reiche materielle Kultur ist unter anderem durch Plankenhäuser, die gewaltige Ausmaße annehmen konnten und sogenannte Totempfähle gekennzeichnet. Zahlreiche Gegenstände für Alltag und Ritual sind mit phantastisch anmutenden Wesen und Ornamenten verziert. Berühmt wurde der Potlatch, Geschenkverteilungsfeste, bei denen sich die Häuptlinge an Großzügigkeit zu übertreffen suchten. Die komplizierten Regeln trugen zur Festigung der Gemeinschaften und ihrer Gliederung nach Rängen bei. Die Tlingit, Haida und Tsimshian Alaskas bildeten das kulturelle Zentrum dieses Kulturraums. Die starke Ausstrahlungskraft auch auf fremde Volksgruppen fand bereits mehrfach Erwähnung.

Erstellt von oliver. Letzte Änderung: Sonntag, 29. März 2020 22:29:19 CEST von oliver. (Version 2)

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