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Takini

Takini – Lieder der Überlebenden
gehört von Dionys Zink

Traditionelle Indianermusik scheint heutzutage der allgemeinen Verhackstückung von Oli S. und Freunden zum Opfer gefallen. Doch auch hier gilt: Wer suchet, der findet. Zum Beispiel die CD „Takini“, die das Label Chant du Monde im vergangenen Jahr herausgebracht hat. Die CD versammelt „klassische“ Liedtypen, wie den „Round Dance“, einen „Fancy Dance“ oder einen „Honor Song“, wie sie früher und heute auf Powwows gesungen wurden und werden, aber auch Lieder neueren Datums, wie den „Big Foot Memorial Ride Song“. Und damit wäre man bei eigentlichen Thema angelangt. Die CD entstand aus der Zusammenarbeit von Helga Lomosits, Birgil Kills Straight und zwei Gesangsgruppen, den Takini Singers und den Eagle Mountain Singers, die durch Solisten, wie Archie Little (Solo-Gesang) und den Dakota Bryan Akipa ergänzt wurden. Die Tracks wurden 1994 in Pine Ridge und Kyle unter der Regie von Birgil Kills Straight aufgenommen.

Kennern der europäischen Indianer-Publizistik ist Helga Lomosits vielleicht noch erinnerlich. Sie initiierte 1990 im Zusammenhang mit den Gedenkveranstaltungen zum hundertsten Jahrestag des Massakers von Wounded Knee eine Photoausstellung mit Originalphotos des Schauplatzes und zahlreichen Portraitaufnahmen der Beteiligten aus beschwerten und dennoch glücklicheren Tagen. Damals entstand auch ein Photoband, der bis heute mustergültig Texte und historische Photos zu einem Ganzen fügt, das dem Leser das konkrete Verstehen der Katastrophe von 1890 ermöglicht.

„Takini“ ist der Name der von Helga Lomosits seinerzeit ins Leben gerufenen Organisation zur Unterstützung der Nachkommen der Massaker des 19. Jahrhunderts. Der Ausdruck bedeutet „Überlebende“; und als solche verstehen sich die Lakota bis heute. Milo Yellowhair, heute Land Rights Director des Oglala Lakota Stammesrats und 1990 noch in der Opposition, sagte anlässlich des Bigfoot Memorial Rides im selben Jahr: „Ich reite, weil der Mann im Grab mein Großvater ist. Was weh tut, sin die 23 Tapferkeitsmedaillen, die seine Mörder erhielten. Ich reite, weil die Hoffnung meiner Nation wieder erwacht, wieder aufsteht, wieder lebt. Ich denke an einen Spruch der Weißen: ‚What goes around comes around.’

Die CD enthält auch einen „Omaha-Dance“ über den ein US-Regierungsvertreter schrieb: „Der Omaha-Tanz, die Medizinmänner und die alten Häuptlinge bilden den Kern der fortschrittsfeindlichen Kräfte im indianischen Leben. Der Ausdruck dieser Lebensweise findet sich im Tanz, im indianischen Aberglauben, in legenden in der Jagd und in den Erinnerungen ( die glücklicherweise zu bloßen Erinnerungen verblassen) an die indianische Kriegsführung mit ihrer grausamen Geschichte von Mord, Raub und Gier. Die Macht der Zivilisation, auf die sich der Agent (der Reservatsverwaltung; d. Red.), der Missionar und der Lehrer berufen muß, findet ihren Ausdruck in Kirche, Schule und Familie, in der Landwirtschaft und in einem reinen edlen Umgang miteinander.“

Die CD belegt, dass es soweit nicht gekommen ist. Die Tradition hat überlebt und meldet sich zu Wort. Der Coyote wartet noch darauf, dass Oli S. und andere dieser musikalischen Tradition auch etwas zurückgeben. Denn das ist ein doch guter Grundsatz mit dem Indianer und Weiße gleichermaßen leben können: What goes around comes around. Es ist eine Absage an die Einbahnstraße zum verkommenen Kulturselbstbedienungsladen der Samples, Loops und der künstlichen Indianness.
Coyote meint: Kauft diese CD.

Takini – Musique et chants des Lakota Sioux d’Amerique du Nord. Katalognummer CMT 27 41 000 ist auf dem Label Chant du Monde erschienen.

Erstellt von dionys. Letzte Änderung: Samstag, 18. Januar 2020 20:49:38 CET von oliver. (Version 2)

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