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Apachen gegen Teleskope auf heiligem Berg

Mount Graham Update
von Robert Stark
(veröffentlicht 3/1998)

Politische Wirren auf San Carlos - Öffentliche Auszeichnung von Ola Cassadore Davis - Aktivitäten italienischer Unterstützer - Mount Graham Sacred Run 1998

Der Widerstand traditioneller San-Carlos-Apachen gegen eine Teleskopstation eines internationalen Konsortiums aus amerikanischen, deutschen und italienischen Projektpartnern dauert nach wie vor an (Coyote berichtet seit Jahren regelmäßig. Zusammenfassende Hintergrundinformationen können von Interessenten bei der Redaktion angefordert werden). Die folgenden Zeilen geben einen Überblick zu den Ereignissen seit der letzten Berichterstattung (Coyote 1/98):

Die Monate März und April auf der San-Carlos-Reservation waren von politischen Wirrnissen und Unruhen gekennzeichnet: Eine Lücke von 8,6 Mio. US $ im Stammeshaushalt 1998 war Auslöser für die Entladung schon lange anhaltender Spannungen.

Die Verhältnisse auf der Reservation sind von Armut und Arbeitslosigkeit gekennzeichnet. Etwa 6.000 der 10.500 registrierten Stammesmitglieder leben auf der Reservation. Von diesen 6.000 sind schätzungsweise 65 % arbeitslos und 80 % leben unter der Armutsgrenze. Die Vorschläge, um die Lücke im Haushalt zu füllen umfassen auch die Kürzung von Leistungen im sozialen Bereich, was zahlreiche Stammesmitglieder, die von diesen Leistungen abhängig sind, erboste. Eine Gruppe, die sich »Call to Action« nannte, besetzte die Amtsgebäude des Stammesrats und forderte die Absetzung des stellvertretenden Vorsitzenden Marvin Mull sowie anderer Stammesratsmitglieder und Beamter der Stammesregierung. Sie wurden hierbei von mehreren hundert San-Carlos-Apache unterstützt. In einem Konflikt zwischen dem Stammesratsvorsitzenden, Raymond Stanley, und seinem Stellvertreter Marvin Mull hatte sich die Gruppe »Call to Action« auf die Seite von Raymond Stanley gestellt. M. Mull und andere Stammesratsmitglieder hingegen erklärten R. Stanley für abgesetzt. Die Besetzung der Stammesratsgebäude wurde auf Veranlassung der Stammesratsmitglieder um Marvin Mull durch einen Einsatz der Stammespolizei und auswärtiger Sicherheitskräfte ein Ende bereitet. Dabei wurde hart durchgegriffen und auch eine Hundestaffel eingesetzt.

Streitigkeiten zwischen Angehörigen verschiedener Clans haben auf der Reservation eine traurige Tradition und wurden von Außenstehenden immer wieder ausgenutzt, nicht zuletzt im Fall Mount Graham. Normalerweise ist die öffentliche Erörterung religiöser Themen tabuisiert und deshalb erst recht nicht zum Gegenstand politischer Auseinandersetzung geeignet. Daß zu Beginn der 90er Jahre trotzdem in seltener Einmütigkeit angesichts der Empörung über die Teleskopstation mehrfach einstimmige Resultate gegen die Teleskope zustande kamen, spricht für sich; ebenso eine Petition traditioneller Medizinmänner. Bedauerlicherweise gelang es jedoch den Projektbetreibern, den des Diebstahls und der Veruntreuung überführten ehemaligen Stammesratsvorsitzenden Buck Kitcheyan zu gewinnen. Obwohl er vor seiner deswegen eingeleiteten Absetzung die Teleskopbetreiber in öffentlichen Stellungnahmen auf die Bedenken der Ältesten und religiösen Führer hinwies, wollte er plötzlich nichts mehr von einer besonderen Heiligkeit des Berges für die Apache wissen. Er selbst und verschiedene Verwandte traten von da an als Befürworter der Teleskope für die Betreiber ins Rampenlicht. Auch später lassen sich ähnliche Einflußnahmen der Betreiber auf andere Apachen vermuten, während sie ihrerseits den Teleskopgegnern unter den Apachen vorwarfen, nur Marionetten vor Gericht gescheiterter Umweltschützer zu sein, die nun so ihre fanatischen Interessen durchzusetzen versuchten.

So eindrucksvoll die einmütige Opposition der Stammesratsmitglieder gegen die Teleskope zu Beginn der 90er Jahre gewesen sein mag, so unheilvoll war andererseits jedoch die Vermischung von religiöser und politischer Sphäre, da sich nun politische Wirren und Streitigkeiten zwischen Clans auch auf die Haltung zur Mount-Graham-Kontroverse auswirkten. Wurden von den Betreibern die mehrfachen, einstimmigen Proteste schlichtweg ignoriert oder mit fadenscheinigen Argumenten abgelehnt, hatte man es bald geschafft, unter Ausnutzung der internen Querelen, einige Apache auf die eigene Seite zu ziehen.

Die Tabuisierung der Religion als Gegenstand öffentlicher Auseinandersetzung, deren komplexer geistiger Hintergrund hier nicht dargestellt werden soll und kann, scheint nicht zuletzt auch vor diesem Hintergrund ihren Sinn zu beweisen.

Bedauerlicherweise hatten beide Hauptgegner in den jüngsten politischen Wirren, Raymond Stanley und Marvin Mull, früher in ihrer Amtseigenschaft als Stammesratsmitglieder verschiedentlich Proteste gegen die Teleskope aktiv unterstützt. Auch an diesem Beispiel wird deutlich, daß eine Situation wie zu Beginn der 90er Jahre wohl kaum wieder eintreten wird.

Am 20. April wurden sieben Frauen mit dem »Preservation Award« der in Washington D.C. ansässigen Organisation »Women in Preservation« ausgezeichnet. Die Verleihung fand im Speisesaal des Kongresses statt. Unter den Preisträgern war Ola Cassadore Davis von der Apache Survival Coalition. Sie war wegen ihres jahrelangen, unermüdlichen Einsatzes für die traditionellen Kulturgüter der Apache im Kampf gegen die Teleskope auf Mount Graham ausgezeichnet worden. Das »Morning Star Institute«, eine Organisation, die sich der Durchsetzung indianischer Rechte widmet, hatte Ola Cassadore Davis nominiert. Das gleiche Institut hat die Bemühungen der traditionellen Apache mit Anteilnahme verfolgt und immer wieder aktiv unterstützt.

In Italien waren verschiedene Unterstützer-Organisationen aktiv. Proteste gegen eine italienische Beteiligung am Teleskopbau gingen bis zur Einbringung einer Gesetzesvorlage durch über 80 Parlamentarier. Über einen Besuch von Ola Cassadore Mike Davis in Italien und ihre Eindrücke erstattet im nächsten COYOTE Daniela Anke ausführlich Bericht.

Am 15. August fand der diesjährige Mount Graham Sacred Run statt. Über 70 Läufer der San Carlos Apache, Camp Verde Apache, anderer Indianernationen Arizonas und einige Nichtindianer stellten sich der Herausforderung. Die Strecke von Peridot auf der San Carlos Reservation bis zum Gipfel des Mount Graham umfaßte 94 Meilen. Einige der jungen Apache-Läufer waren schon für ihre Teilnahme an anderen Läufen ausgezeichnet worden. Der Organisator Wendsler Nosie stellte über Charakter des Laufes fest: Er sei kein sportliches Ereignis. Die Anstrengungen der Läufer würden den Nöten der Apache und aller Menschen dieser Welt gelten. Außerdem seien derartige Aktivitäten für die junge Generation besonders wichtig: Selbstwertgefühl sowie Wissen über die eigene Identität würden vermittelt bzw. verstärkt. Auf dem Berggipfel fand eine Segnungszeremonie statt. Gleichzeitig wurden nach alter Tradition sakrale Gegenstände niedergelegt.

Bei den Läufen der vergangenen Jahre wurden die Teilnehmer von Sicherheitskräften der University of Arizona daran gehindert, in die abgesperrte Gipfelregion mit den Teleskopen vorzudringen. Zwar ist Indianern für religiöse Belange der Zutritt erlaubt, doch sind hierzu erst schriftliche Genehmigungen einzuholen. Bestandteil der diesjährigen Strategie ungestört nach oben zu gelangen waren Diskussionen von Anwälten der Apache mit Forest-Service-Beamten über Sinn bzw. Unsinn der schriftlichen Genehmigungspflicht. Die Universität hatte hierzu die Verantwortung an den Forest Service abgegeben.

Um Konfrontationen zu vermeiden, ließ man diesmal die Läufer auch ohne Genehmigung gewähren.

Erstellt von oliver. Letzte Änderung: Samstag, 18. Januar 2020 23:19:04 CET von oliver. (Version 2)

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