Pressemitteilung

Meeting of European Support Groups for Indigenous Peoples in North America
PRESSEMITTEILUNG25.11. 2011: INTERNATIONALER TAG GEGEN GEWALT AN FRAUEN

Wir fordern: Stoppt die Gewalt gegen indianische Frauen
Indianische Frauen werden zehn Mal häufiger Opfer eines Mordes als im amerikanischen Durchschnitt,
jede dritte Indianerin muss in ihrem Leben eine Vergewaltigung erleiden, jede sechste wird
Opfer der Gewalt durch den eigenen Freund oder Mann – dies ist die erschreckende Bilanz in den USA.
In Kanada ergeht es den indigenen Frauen nicht besser. 582 dokumentierte Fälle verschwundener
oder ermordeter Indianerinnen allein in den letzten Jahrzehnten zeigen deutlich: Indigene Frauen
sind Opfer eines kolonialen Erbes, das den Frauen auch im 21. Jahrhundert statt mit Respekt
nur mit Sexismus und Rassismus begegnet.

Vor genau 20 Jahren, 1991, wurde die Kampagne „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ ins Leben
gerufen, um im Zeitraum zwischen dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen
am 25. November bis zum Tag der Menschenrechte am 10. Dezember
auf die besondere Situation der Frauen aufmerksam zu machen.

1979 wurde die UN-Konvention zur Beseitigung jeder Diskriminierung der Frauen verabschiedet.
Kanada hat die Konvention 1981 nur mit Einschränkungen ratifiziert. Die USA haben sie
zwar 1980 unterzeichnet, aber bis auf den heutigen Tag nicht ratifiziert.
Die 2007 von der UN-Vollversammlung verabschiedete Deklaration der Rechte der
Indigenen Völker (UNDRIP) wurde von den USA und Kanada nach langem Widerstand erst
Ende vergangenen Jahres angenommen – erneut mit Vorbehalten. Die UNDRIP fordert explizit
den Schutz der indigenen Frauen, doch noch immer sind vor allem sie die Opfer einer Gesellschaft,
die ihre Wurzeln in der Kolonialisierung und Diskriminierung hat. In den traditionellen
Gesellschaften hatten die Frauen eine wichtige und geachtete Position, die durch die
Jahrhunderte lange Unterdrückungspolitik untergraben wurde.

Über Jahrzehnte ignorierten die Verantwortlichen in Kanada, dass indigene Frauen in
erschreckendem Ausmaß vergewaltigt und ermordet wurden. Der „Highway of Tears“ ist
Sinnbild dieser Gleichgültigkeit gegenüber dem Schwächsten in der Gesellschaft, die bewusst
wegschaute und die Frauen hilflos der Gewalt ausliefert. Erst nach beharrlichem Drängen
von Indigenen und Menschenrechtsaktivisten hat die kanadische Provinz British Columbia,
in der sich die Fälle besonders häufen, eine Untersuchungskommission, die British Columbia
Missing Women Inquiry Commission, eingerichtet, welche die eklatanten Versäumnisse
der Behörden, insbesondere der Polizei klären soll, die 1998 den Serienkiller Robert Pickton laufen
ließen, der bis zu seiner erneuten Verhaftung weitere Morde begehen konnte und sich rühmt,
49 Frauen brutal ermordet zu haben. Untersuchungen wurden verschleppt, Beweise verschlampt
und die nötigen Ermittler eingespart. Statt Gerechtigkeit zu erfahren, werden die Indigenen
erneut ausgegrenzt und verhöhnt, indem ihnen eine gleichberechtigte und würdevolle
Mitwirkung in der Kommission verweigert wird.

Während sich Washington und Ottawa am Land der Indigenen bereichern und ihre
Lebensgrundlagen durch Kahlschlag oder Teersandabbau zerstören, sieht man ungerührt zu,
wie die indigenen Frauen vergewaltigt und ermordet werden.

Anlässlich des UNO-Tags zur Beendigung der Gewalt an Frauen am 25. November
fordern wir, die beteiligten Menschenrechtsorganisationen, die Regierungen der USA und Kanadas auf,
endlich die von 180 Staaten unterzeichnete UN-Konvention zur Abschaffung aller Formen der
Diskriminierung gegen Frauen in die Tat umzusetzen, die in der UNDRIP verankerten Rechte
der indigenen Frauen zu verwirklichen und mit aller Entschlossenheit die Gewalt gegen Frauen
zu bekämpfen.

Dazu fordern wir:einen sofortigen und umfassenden Aktionsplan unter Einbeziehung der
Indigenen grundlegende Verbesserung der Lebensbedingungen in den indigenen Gemeinschaften
Einrichtung einer Sondereingreiftruppe
Einrichtungen zum Schutz der Frauen (z.B. Frauenhäuser)Finanzmittel für indigene
Organisationen zur weiteren Dokumentation der Vorfälle
Strafverfolgung der TäterSubstantielle Mitwirkung der Indigenen in der Missing Women
Inquiry Commission sowie die hierfür nötige finanzielle Unterstützung.

Kontakt Deutschland:
Monika Seiller
Aktionsgruppe Indianer und Menschenrechte e.V.
+49-173-9265932
post@aktionsgruppe.de
www.aktionsgruppe.de

Kontakt Österreich:
Arbeitskreis Indianer Nordamerikas, Wien,
Kontakt: Michaela Mayer, Tel. +43-6765823850, E-Mail: info@arbeitskreis-indianer.at

Kontakt Schweiz
Incomindios, Zürich:
Kontakt: Helena Nyberg, Tel. +44 383 03 35, E-Mail: mail@incomindios.ch

In Kooperation mit:
Asnai, Berlin: www.asnai.de
Gesellschaft für bedrohte Völker, Göttingen: www.gfbv.de
Menschenrechte 3000, Freiburg: www.Menschenrechte3000.de


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